Kindeswohl gefährdet - was tun?

24. Februar 2014

Der Beitrag vom 18.2.2014 im Club hat ein Thema aufgegriffen, das tatsächlich noch im Argen liegt. Nicht nur, weil die neugeschaffene Behörde KESB aus organisatorischen und personellen Gründen ihre Funktion noch nicht vollumfänglich ausfüllt, sondern auch, weil der Kindeswille noch nicht den vom Gesetz vorgesehenen Stellenwert hat. Das Kindeswohl kann nicht losgelöst vom Kindeswillen beurteilt werden. Und die Frage ist ja auch, wer sorgt dafür, dass der Kindeswille eingebracht werden kann und im weiteren Ablauf berücksichtigt wird. Genau hier liegt aber das Problem: Wenn die Eltern die Interessen ihres Kindes nicht mehr vertreten können und Behörden die Führung übernehmen, fehlt eine unabhängige Interessensvertretung des Kindes. Das führt dazu, dass über den Kopf des Kindes als Kindeswohl definiert wird, was Behörden und Gerichte als richtig erachten. Diese fürsorgerische Haltung ist nicht grundsätzlich schlecht, aber sie missachtet elementare Rechte des Kindes. Die UN-Kinderrechte und die Leitlinien des Ministerkomitees des Europarates für kindgerechte Justiz machen hier klare Vorgaben. Zurzeit sind wir aber noch weit von der Ziellinie entfernt.

Es ist nötig, diese Diskussion zu führen und schrittweise Verbesserungen zu erreichen, damit auch in der Schweiz die Kinderrechte integraler Bestandteil der behördlichen Prozesse werden und in Zukunft die Rechtsstaatlichkeit auch für Kinder gewährleistet werden kann. Für diese Aufgabe setzt sich die Kinderanwaltschaft Schweiz mit ihrem Programm „Child-friendly Justice 2020“ ein.

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Er ist der coolste Anwalt aller Zeiten. Ich konnte ihm alles anvertrauen und er hätte mich nie hängen lassen.

Mädchen

Als Kinderanwalt konnte ich den Willen eines Mädchens dem Gericht und allen Parteien kundtun und es wurde ihrem Willen entsprochen. Dadurch beruhigte sich die konfliktbehaftete Beziehung. Mit meinem Beruf kann ich Kinder unterstützen und unmittelbar zur Lösungsfindung beitragen. Das ist mir wichtig.

Rolf Besser

Rolf Besser, Kinderanwalt
Ich habe jetzt einen Anwalt, der gleichzeitig mein Schutzengel ist.

Junge

Der erste Kontakt mit der Justiz soll im Leben eines Kindes keine einschüchternde Erfahrung sein! Vielmehr muss das Kind als junger Mensch ernst genommen werden und seinem persönlichen Entwicklungsstand entsprechend respektiert und ins Verfahren einbezogen werden.

Beat Flach, Nationalrat

Beat Flach, NR GLP
Kinder und Jugendliche haben Rechte. Aber sie müssen diese auch wahrnehmen können. Dafür braucht es die Kinderanwaltschaft.

Urs Lauffer

Verwaltungsratspräsident RAHN AG, Steinmaur
Das Ziel, dass Kinder und Jugendlichen in ihren schwierigen Lebenssituationen gestärkt und nicht zusätzlich belastet werden, beeindruckt, berührt und überzeugt uns sehr.

Sibylle Feltrin, AVINA STIFTUNG

Sibylle Feltrin, Geschäftsführerin AVINA STIFTUNG
Ich danke meinen Kindern, dass sie den Mut hatten, ihren Willen zu äussern.

Mutter