Arbeitsweise und Finanzierung von Rechtsvertretungen von Kindern und Jugendlichen

Die folgenden beiden Artikel der Leitlinien des Europarates legen die Fundamente der Arbeitsweise von Kinderanwält/innen besonders treffend dar:

40. Kinder sollten als vollwertige Mandanten mit ihren eigenen Rechten angesehen werden und Rechtsanwälte, die Kinder vertreten, sollten deren Meinung vortragen.

41. Rechtsanwälte sollten dem Kind alle erforderlichen Informationen und Erklärungen zu den möglichen Folgen der Standpunkte und/ oder Meinungen, die es vertritt, geben. 

Arbeitsweise

Kinderanwält/innen stellen zu den vertretenen Kindern und Jugendlichen einen persönlichen Kontakt her und vergewissern sich, dass sie für diese einfach und auch kurzfristig erreichbar sind.

Interdisziplinarität
Es gehört zur Arbeit von Kinderanwält/innen, sich in einem interdisziplinären Kontext zu bewegen. Um die Arbeit bestmöglich zu verrichten, ist es oftmals erforderlich, Auskünfte von Dritten oder spezifisches Wissen von Fachpersonen einzuholen. Dennoch ist es wichtig, dass Kinderanwält/innen in einem Masse professionell gefestigt sind, die ihre unabhängige Rolle als parteiliche Vertretung der Kinder und Jugendlichen zu keinem Zeitpunkt gefährdet.  

Unabhängigkeit
Kinderanwält/innen prüfen vor der Übernahme jedes Mandats, ob die Unabhängigkeit zur Ausübung dieses Mandats gegeben ist. Unabhängigkeit bedeutet insbesondere, dass Kinderanwält/innen im Umfeld des zu vertretenen Kindes oder Jugendlichen keiner anderen Person oder Institution verpflichtet sind und auch keinen dementsprechenden Anschein erwecken. Im Amt stehende Mitglieder oder Angestellte einer Behörde oder einer privaten oder öffentlich-rechtlichen Kindesschutzinstitution schenken diesem Punkt besondere Aufmerksamkeit. Sie sollten ausschliesslich ausserhalb des jeweiligen Kantons ein Mandat übernehmen und dies auch nur dann, wenn sich die jeweilige Behörde oder Institution aktuell oder in der Vergangenheit nicht bereits mit dem Kind oder dessen Umfeld befasst hatte. 

Kinderanwaltschaft Schweiz hat Standards entwickelt, die Kinderanwält/innen als Werkzeuge und Hilfen bei der Durchführung von Rechtsvertretungen von Kindern und Jugendlichen dienen sollen. 

Finanzierung von Rechtsvertretungen von Kindern und Jugendlichen

Da Kinder und Jugendliche sich per Gesetz nicht zu Honorarzahlungen verpflichten dürfen, müssen Rechtsvertretungen von Kindern und Jugendlichen über das Institut des “unentgeltlichen Rechtsbeistands“ (Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung) abgewickelt werden.

Ein entsprechendes Gesuch wird von den Kinderanwält/innen an die zuständige Behörde oder an das zuständige Gericht gestellt. Diese übernehmen in erster Linie die Honorarzahlung, können die Kosten jedoch im Rahmen der Unterhaltspflicht von Sorgeberechtigten zurückfordern. Dies ist vor allem bei Scheidungen der Fall. Am Ende des Scheidungsverfahrens werden die Kosten unter Umständen als Teil der offiziellen Scheidungskosten in Rechnung gestellt. 

Die Honorierung der Kinderanwält/innen darf jedoch keinesfalls deren Unabhängigkeit in Frage stellen. In familienrechtlichen Verfahren und in Kindesschutzverfahren ist deshalb eine Finanzierung via Personen im Kindesumfeld stets ausgeschlossen.